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Presse
GT, 25. April 2000
Kurz, aber großartig
Wie tanzt eine Tänzerin Flamenco, die eine klassische Tanzausbildung absolviert hat? Die Tänzerin Alya Al-Kanani präsentierte zusammen mit ihrem Flamencolehrer Timo Lozano in der Gruppe „Pasiòn Flamenca“ am Donnerstag im ausverkauften Apex Flamenco-Tanz zwischen Tradition und Moderne. Zwei Tage zuvor gastierte die Gruppe noch auf dem großen renommierten Flamenco-Festival in Freiburg.
Schlangenhaft windet Alya Al-Kanani ihre Arme und Hände durch die Luft, lässt theatralisch ihren Oberkörper nach hinten fallen, um anschließend mit ihren Füßen Rhythmen auf den Bühnenboden zu schlagen. Die in Braunschweig aufgewachsene Tänzerin verschmilzt in ihrem Tanz einzigartig Elemente des europäischen Balletts und der Flamencotradition für manchen Flamenco-Puristen noch heute ein Sakrileg.
Sehr traditionell ist dagegen der Tanz ihres einstigen Lehrers Timo Lozano: Bei ihm steht das kraftvolle, sehr stark zentuierte „Zapateado“, das rhythmische Fußstampfen, im Mittelpunk. Der aus Madrid stammende Tänzer ist ein Perfektionist, der seinen würdevollen Tanz auf das Absolut notwendige reduziert. Wenn er nicht tanzt sitzt er auf dem „Cajón“ einer einfachen Holzkiste. Dann tanzen seine Hände: Laut schlagen sie auf die Vorderwand der Kiste und geben den Rhythmus der Musik vor.
Bravourös beherrscht der Vokalist José Parrondo auch die schwierigen langsamen und leidvollen Gesänge. Lange vermag er die Töne zu halten, sie mit Stimmbändern zu formen und zum schmerzdurchtränkten Leben zu wecken. Ihm zur Seite sitzt der Gitarrist Bernhard Jaime Rudolph. Er ist ein Schöngeist: Mit lieblichen Ton schmückt er die Musik einfallsreich aus.
Enttäuschend kurz war der großartige Auftritt des Ensembles. Trotzdem wird wohl jedem Zuschauer die Intensität und Ausdrucksstärke der vier Flamencokünstler im Gedächtnis bleiben.
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